FLUSSKIESELBILDER

DIE RAHMUNG

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ÜBER DIE FLUSSKIESELBILDER VON ULLA PHILIPP
von Damian Zimmermann

Ulla Philipp arbeitet mit Flusskieseln. Aber ihre Arrangements sind keine vergänglichen Anordnungen in der Landschaft wie die der Land Art-Künstler. Philipp ordnet die Steine auf einem Blatt Papier zu einer Szene und rahmt diese. Ihre Arbeit ist eine Verbeugung vor dem Einfachen. Vor dem Ursprünglichen. Vor dem Alltäglichen.

Gleichzeitig sind Philipps Stein-Collagen weitaus komplexer als die Summe ihrer einzelnen Teile vermuten lässt. Mit meist nur wenigen Tuschestrichen werden ihre Flusskiesel lebendig und lösen beim Betrachter Assoziationsketten aus, denen er sich nicht entziehen kann. Plötzlich werden in der Form des Steines ein Kopf, ein Körper, eine Parkbank oder ein Luftballon, denen zwei Gestalten hinterher schauen, sichtbar. Das Arrangement wird zur poetischen Ein-Bild-Geschichte oder zum absurd-ironischen Cartoon in der Tradition eines Friedrich Karl Waechter. Manchmal fügt Philipp auch Sprechblasen mit kurzen Sätzen und Kommentaren hinzu. Die alltäglichen Steine unterhalten sich über Alltägliches – über abstrakte Kunst, die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum oder Modetrends. Manchmal füttern sie auch einfach bloß die Tauben im Park. Das macht sie menschlich und liebenswert wie die Protagonisten bei Jean-Jacques Sempé.

Dabei sind ihre Figuren so vielseitig wie die Künstlerin selbst – schließlich ist Philipp nicht nur Malerin, sondern auch ausgebildete Sängerin und Schauspielerin. Ihre Protagonisten sind verletzlich und stark, humorvoll und einsam, ängstlich und heiter, konservativ und infantil. Sie spiegeln die gesamte Palette der menschlichen Existenz wider – in ihren Steinbildern genauso wie in ihren Zeichnungen und in ihrer Malerei. Genau das macht ihre Qualität aus. Dabei schafft Philipp einen bemerkenswerten Spagat: Sie lässt sich nicht festlegen und ist zugleich nicht beliebig oder gar gefällig. Und obwohl sie mittlerweile einen ganz eigenen, fast schon unverwechselbaren Stil entwickelt hat, fällt eine Einordnung weiterhin schwer. Immer jedoch steht der Mensch im Mittelpunkt – der Mensch mit seinen Wünschen und Träumen, Sorgen und Schwächen.

Die Kieselsteine sammelt Ulla Philipp übrigens bei Spaziergängen am Rhein. Dort liegen sie zu Millionen herum. Auf den ersten Blick sehen alle gleich aus, doch wer genau hinschaut, entdeckt die Unterschiede. Vielleicht ist das der Grund, warum sie sich so gut zur Darstellung von Menschen eignen.

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